MDI-DE Küstengazetteer

Ansicht in eigenem Fenster.
Wozu ist ein Küstengazetter da?
Ortsnamen dürften die älteste Form darstellen mit der das „wo“ kommuniziert wurde. Unser Gazetteer erlaubt Ihnen z. B. mittels Ortsnamen in unseren Daten zu suchen. Sie können auch damit sehen wie etwas heißt und wo und wann etwas (das Geoobjekt) war, dass einen geographischen Namen hatte. Zusätzlich können Sie damit etwas über die Qualität (den Geoobjekttyp) des benannten herausfinden und er wirkt auch als Übersetzungssoftware. Nicht zuletzt können Sie mit unserem Küstengazetteer den Wandel über die Zeit verfolgen, geographisch und sprachlich. Der Gazetteer verbindet die sprachliche Kommunikation mit der von symbolisch-grafischen von Karten und Koordinaten.
Unser Gazetteerclient ist selbsterklärend genug um ihn ohne weitere Erklärung spielerisch auszuprobieren. Für eine gezielte, bedachte Nutzung ist es hilfreich, sich einige Wesenheiten von Ortsnamen und den grafisch auf einer Karte dargestellten Objekten bewusst zu machen.

Ortsnamen
Um Ortsbezeichnungen zusammen mit Karten zu nutzen müssen sie eine platzierende Zuordnung erfahren, bei der digitalen Karte wird dies mittels Koordinaten festgelegt. Zu unterscheiden ist dabei der Ort an dem der Schriftzug erscheint und der Ort – d.h. die Siedlung, der Wald, das Vorland, der Graben, der Priel, das Schutzgebiet, der Messpunkt, der diese Bezeichnung trägt. Letztere werden als geographische Objekte bzw. Geoobjekte bezeichnet.
Ortsnamen sind keineswegs eindeutig. Sie verändern sich über die Zeit, so wie der einer kleinen Gemeinde auf Eiderstedt: Wittewurt, Wittewort und heute Witzwort. Fremd- oder regionalsprachige Unterschiede kommen vor: Granaten- (Dithmarschen) oder Porrenstrom (Eiderstedt/Nordfriesland), bezeichnen den gleichen Prielstrom in der Außeneider und nennen ihn bedeutungsgleich, aber auf keine Karte zu lesen, „Garnelen“-strom. Und eindeutig sind Ortsnamen auch nicht, so gibt es nicht nur mehr als 30 mal Neustadt sondern auch drei Schweinsrücken im deutschen Wattenmeer. Und sehr häufig bezeichnet der gleiche Name ähnliches aber nicht gleiches: Tönning ist der Name einer kleinen, alten städtischen Siedlung aber auch einer Gemeinde mit Wiesen, Acker und Wald mit fast zehn mal größerer Fläche – man beachte den Bezug zum Beispiel bei Zahlen der Bevölkerungsdichte. Der Geoobjekttyp beschreibt hier die zuzuordnende Kategorie.
Ortsnamen benötigen dementsprechend einen Bezug zu einem geographischen Objekt, sind zeitlich einzuordnen, sprachlich zu kennzeichnen und ihr Bezug ist zu typisieren. Das ist ein Teil der Leistungen diese Gazetteers, einer Software, die Namen und das was benannt ist in eine Verbindung setzt.

Welt des Wandels
Eigentlich ist alles im Fluss, die Kontinente ruckeln über den Erdball, die Alpen bestehen vorwiegend aus den Ablagerungen von Meeren, Pompeii verschwand einst unter Asche und Schlamm, die Länder Aquitanien oder Livland sind von den Karten verschwunden. Im Küstengebiet sind solche Änderungen häufiger und oft deutlich rasanter. Zu verlagerte sich die Insel Trischen in den letzten hundert Jahren jährlich um etwa 30 m in Richtung Osten – kein Punkt auf Insel liegt dort, wo eine Karte 1886 Trischen (Abb. 1) zeigt.
trischen
Abb. 1: Veränderung von Lage und Form der Insel Trischen


Das Nordfriesische Wattenmeer ist voller untergegangener Orte und bis in die achtziger Jahre war Nordstrand als Insel zu erkennen und nicht als Halbinsel dem Festland vorgelagert. In den 2010er Jahren entstehen neue Sandkörper westlich vor und auf den Watten, sie werden vielleicht zu Inseln und einige tragen bereits Namen – z. B. die Komoraninsel nordwestlich von Föhr. Die Dinge die einen Namen haben entstehen, verändern Größe und Form und können auch wieder verschwinden – und dass in übersehbarer Zeit. Daher muss ein Küstengazetteer die Beschreibung von Veränderungen in Form, Lage und Qualität von Geoobjekten über die Zeit unterstützen.

Aktueller Datenbestand
Zurzeit enthält die Datenbank rund 3.000 Toponyme, denen mehr als 4.500 Geometrien zugeordnet werden, aus dem deutschen Küstengebiet. Enthalten sind unter anderem Namen von Meeresgewässern, Rinnensystemen, Wattrücken wie auch Flurnamen einiger Inseln (Abb. 2). Die 39 definierten Kategorien (Geoobjekttyp) sind zu 8 Geoobjektkategorien zusammengefasst. Über 110 Datenquellen sind zur Erfassung dokumentiert, die von etwa 15 Bearbeitern ausgewertet wurden. Ortsbezeichnungen in den Sprachen Hochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Mittelniederdeutsch, Niederdeutsch, Dänisch, Englisch, Friesisch und Niederländisch wurden erfasst.
amrum
Abb. 2: Flurnamen im Norden Amrums.


 
 
 

 Weiterführende Informationen 

 
 

 Quellenangaben 

Mehr zum Küstengazetteer kann in den folgenden Veröffentlichungen nachgelesen werden:

Roosmann, R., Labrador, D.A., Kohlus, J., Helbing, F., Sellerhoff, F., Vo, T-T-N, Lehfeldt, R.(2013): Service-orientierter Gazetteer für die Küste.In: Traub, K.-P., Kohlus, J. & T. Lüllwitz (Hrsg.): Geoinformationen für die Küstenzone. Band 4, Karlsruhe.

Kohlus, J. (2009): Ein Gazetteer für die deutsche Küste. In: Andreas Vött und Helmut Brückner (Hrsg.): Ergebnisse aktueller Küstenforschung - Beiträge der 26. Jahrestagung des Arbeitskreises 'Geographie der Meere und Küsten', 25.-27. April 2008 in Marburg, Marburger geographische Schriften, H. 145, S.50-65, Marburg. Link

Kohlus, J. (2007): Developing and applications of a Gazetteer. Beitrag zum Coastal Wiki des Encora Projektes.  ENCORA Coastal Portal: Developing and applications of a Gazetteer

Kohlus, J. & C. Heidmann (2006): Ein digitaler Gazetteer für die Küste. In: Traub, K.-P. & J. Kohlus (Hrsg.): GIS im Küstenzonenmanagement. S. 180 - 191.